Interpretation (lat. interpretatio = Auslegung, Übersetzung, Erklärung) ist die schriftliche Ausdeutung eines poetischen Textes (z.B. Gedicht, Drama- oder Romanausschnitt, Kurzgeschichte). Dazu gehört auch die Beschreibung einzelner Gesichtspunkte (wie Inhalt, Aufbau, Personen, formale und sprachliche Gestaltung) und ihre Erläuterung im Sinne der Aussage.
Bei einer Interpretation wird folgendes erwartet:
Das folgende Schema einer Gliederung kann als Orientierung dienen. Ein für alle poetischen Textarten allgemein gültiges Schema gibt es nicht. Je nach Textart (episch, lyrisch, dramatisch) und je nach spezieller Eigenart des einzelnen Textes (Verfasser, literarische Epoche) ist im Hauptteil entsprechend zu differenzieren.
Man interpretiert Schritt für Schritt an den Abschnitten des Textes entlang; dazu muss man eine sinnvolle Gliederung des Textes (Sinneinheiten) finden oder aus dem Text übernehmen. Beschreibung und Deutung des jeweiligen Abschnittes müssen deutlich getrennt werden, es muss von der Sprachebene zur Bedeutungsebene abstrahiert werden, sonst wird die Interpretation zur reinen Inhaltswiedergabe. Die Gesamtdeutung folgt dem Lesegang; dieser ist dei Leitlinie der Interpretation. Der Verfasser darf nicht an Einzelheiten hängen bleiben und die Gesamtdeutung nicht aus dem Auge verlieren; bei jedem Schritt wird auch die Deutung sprachglicher Besonderheiten einbezogen.
Man geht von übergeordneten Deutungsgesichtspunkten aus; diese müssen zunächst aus dem vorläufigen Verständnis des Gesamtzusammenhangs heraus gesetzt werden. Diese Deutungsgesichtspunkte sind Wegweiser oder Leitaspekte für die Niederschrift. Jeweils einen der unterschiedlichen Aspekte verfolgt man dann nacheinander durch den gesamten Text (Längsschnitt), betrachtet also zu einem Aspekt mehrere Textstellen und bezieht auch die sprachliche Gestaltung mit ein.
Kathrin Schoneville
2008-08-18
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