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Interpretation

Interpretation

Interpretation (lat. interpretatio = Auslegung, Übersetzung, Erklärung) ist die schriftliche Ausdeutung eines poetischen Textes (z.B. Gedicht, Drama- oder Romanausschnitt, Kurzgeschichte). Dazu gehört auch die Beschreibung einzelner Gesichtspunkte (wie Inhalt, Aufbau, Personen, formale und sprachliche Gestaltung) und ihre Erläuterung im Sinne der Aussage.

Ziel der Interpretation

Bei einer Interpretation wird folgendes erwartet:

  • das Verständnis des Textes zu verdeutlichen;
  • das Zusammenwirken einzelner Gesichtspunkte des Textes deutlich zu machen;
  • die Bedeutung des poetischen Textes (seine Aussage) zu kennzeichnen

Verschiedene Formen der Interpretation

  • Textinterpretation: Der über die bloße Textbeschreibung hinausgehende Versuch, Wirkungsabsichten und Wirkungen eines Textes zu erschließen. Die Textinterpretation wird gewöhnlich auf literarische Texte angewandt, aber auch Gebrauchstexte (z.B. Kritiken, Kommentare) können in ihrer Wirkung umfassend erkannt werden.
  • Gedichtinterpretation: Interpretation von lyrischen Texten

Mögliche Gliederung einer Interpretation

Das folgende Schema einer Gliederung kann als Orientierung dienen. Ein für alle poetischen Textarten allgemein gültiges Schema gibt es nicht. Je nach Textart (episch, lyrisch, dramatisch) und je nach spezieller Eigenart des einzelnen Textes (Verfasser, literarische Epoche) ist im Hauptteil entsprechend zu differenzieren.

Einleitungsmöglichkeiten

  • Ersten individuellen Eindruck des Textes formulieren / vorläufige Deutungshypothese nennen
  • Oder: Thema / inhaltlichen Schwerpunkt des Textes formulieren
  • Oder: Text situieren in Bezug auf Entstehungszusammenhang, Leben des Autors, zeithistorischen Hintergrund, Vergleich mit anderen Texten

Hauptteil

  1. Text beschreiben: Thema, Aufbau, Personenkonstellationen, Textart und sprachlich-rhetorische Auffälligkeiten und deren Funktion und Wirkung im Text
  2. Aussage / Bedeutung des Textes klären:
  • Inhaltliche und sprachliche Einzelheiten aufeinander beziehen
  • gegebenfalls mehrere Deutungsmöglichkeiten nennen
  • die Kernaussage des Textes benennen
  • auf die Überschrift eingehen
  • mit dem Text belegen / zitieren
  • Deutung durch zusätzliche Kenntnisse zum Kontext absichern (Verfasser, Entstehungszeit, historische Hintergründe)

Schlussteil

  • In einem Rückbezug auf den Anfang wird auf die Deutungshypothese Bezug genommen und diese (in begründeter Weise) bestätigt, korrigiert, verändert oder gänzlich verworfen.
  • Oder: Es wird ein Fazit gezogen und das Ergebnis der Interpretation auf den Punkt gebracht.
  • Oder: Es wird ein begründetes Werturteil zum Text oder zu bestimmten Gesichtspunkten abgegeben. Dies stützt sich auf die vorangegangenen Ergebnisse im Hauptteil.

Schriftliche Darstellung

Lineares Verfahren

Man interpretiert Schritt für Schritt an den Abschnitten des Textes entlang; dazu muss man eine sinnvolle Gliederung des Textes (Sinneinheiten) finden oder aus dem Text übernehmen. Beschreibung und Deutung des jeweiligen Abschnittes müssen deutlich getrennt werden, es muss von der Sprachebene zur Bedeutungsebene abstrahiert werden, sonst wird die Interpretation zur reinen Inhaltswiedergabe. Die Gesamtdeutung folgt dem Lesegang; dieser ist dei Leitlinie der Interpretation. Der Verfasser darf nicht an Einzelheiten hängen bleiben und die Gesamtdeutung nicht aus dem Auge verlieren; bei jedem Schritt wird auch die Deutung sprachglicher Besonderheiten einbezogen.

Aspektorientiertes Verfahren

Man geht von übergeordneten Deutungsgesichtspunkten aus; diese müssen zunächst aus dem vorläufigen Verständnis des Gesamtzusammenhangs heraus gesetzt werden. Diese Deutungsgesichtspunkte sind Wegweiser oder Leitaspekte für die Niederschrift. Jeweils einen der unterschiedlichen Aspekte verfolgt man dann nacheinander durch den gesamten Text (Längsschnitt), betrachtet also zu einem Aspekt mehrere Textstellen und bezieht auch die sprachliche Gestaltung mit ein.



Kathrin Schoneville


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